Region

Benachteiligte Gebiete in Thüringen: Diese Äcker sind solargeeignet

Stand: 17. Juli 2026 · von Marcus Gallwitz

Kurz gesagt: In Thüringen zählt ein erheblicher Teil der Landwirtschaftsfläche zu den benachteiligten Gebieten, und genau diese Flächen sind für Solarparks EEG-förderfähig. Der Freistaat hat sie mit der ThürPVFflVO schon im Juli 2023 geöffnet. Seit dem Solarpaket I (Mai 2024) gilt die Öffnung ohnehin bundesweit. Wer zwischen Rhön und Altenburger Land einen ertragsschwachen Acker hat, war lange nicht mehr so gut aufgestellt.

Warum Thüringen hier besonders gut dasteht

Benachteiligte Gebiete sind landwirtschaftliche Flächen mit naturbedingten Nachteilen: schwache Böden, Hanglagen, raues Klima. Was genau dahintersteckt, erklärt unser Überblicks-Ratgeber. Thüringen hat davon überdurchschnittlich viel: Muschelkalk-Platten, Buntsandstein-Hügelland, die Höhenlagen von Thüringer Wald, Schiefergebirge und Rhön. Was den Landwirt seit jeher Ertrag kostet, spielt für einen Solarpark keine Rolle. Die Module brauchen Sonne, keine Bodenpunkte.

Anderswo wird um jede förderfähige Fläche gerungen. In Thüringen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein beliebiges Flurstück zur Kulisse gehört, bei rund fünfzig Prozent, in manchen Regionen deutlich höher.

Vom Thüringer Alleingang zum Bundesstandard

So hat sich die Rechtslage entwickelt:

ZeitraumRechtslageBedeutung für Thüringer Eigentümer
bis 06/2023Keine LandesöffnungBenachteiligte Flächen nicht förderfähig
ab 07/2023ThürPVFflVO öffnet die KulisseThüringen wird Solar-Land, erste Verfahren laufen an
seit 05/2024Solarpaket I: bundesweite Öffnung (Opt-out)Kulisse dauerhaft offen, Landesdeckel obsolet

Der frühe Schritt zahlt sich bis heute aus. Landratsämter, Gemeinden und Regionalplanung kennen die Verfahren für Solarparks in der Kulisse inzwischen, und manche Diskussion, die anderswo noch geführt wird, ist hier schon durch. Das Landesentwicklungsprogramm sieht außerdem Vorranggebiete für großflächige Solaranlagen vor. Der Planungsrahmen ist damit ungewöhnlich klar. Dazu kommt, dass Thüringen die finanzielle Beteiligung der Gemeinden neu regeln will. Das kann Projekte in der Kulisse vor Ort leichter durchsetzbar machen.

So prüfen Sie Ihr Flurstück

  1. In die Agrarförderunterlagen schauen. Gibt es für die Fläche eine Ausgleichszulage, liegt sie in der Kulisse. Für aktive Landwirte ist das der schnellste Test.
  2. In den Geoportalen des Freistaats nachsehen. Die Gebietskulisse ist in den Karten- und Agrarförderdiensten des Landes einsehbar.
  3. Oder es sich einfach machen: Melden Sie uns die Fläche mit Gemarkung, Flur und Flurstücksnummer. Wir sehen sie uns im Geoinformationssystem an und prüfen Kulisse, Netznähe und Projektpotenzial in einem Rutsch. Das ist kostenlos, Antwort in der Regel innerhalb von 48 Stunden (werktags).

Kulisse ist nicht alles: die zweite Standortfrage

Die Förderkulisse öffnet die Tür, ins Ziel bringt ein Projekt erst der Netzanschluss. Auch in Thüringen entscheidet die Entfernung zum nächsten Umspannwerk oder Netzverknüpfungspunkt mit über Machbarkeit und Pachthöhe. Ist die Fläche klein, liegt aber nah am Netz, kann ein Batteriespeicher-Standort sogar die lukrativere Option sein.

Es muss auch nicht alles Ihre Fläche sein. Solarparks entstehen oft aus den Flurstücken mehrerer benachbarter Eigentümer, jeder mit eigenem Nutzungsvertrag. Auch 1–3 Hektar in der Kulisse lohnen deshalb die Anfrage.

Aus unserer Praxis: die Kulisse stoppt häufiger als der Gemeinderat

Wenn ein Projekt bei uns scheitert, liegt es öfter an der Kulisse als am Gemeinderat. In mehreren Fällen haben wir dafür Ausweichflächen bekommen, mit denen am Ende alle leben konnten.

Deshalb klären wir am Anfang möglichst viel über die Gemeinde: Wie steht sie zu dem Thema, wo liegt der eigentliche Schmerzpunkt? Ein solches Vorgespräch spart allen Beteiligten Zeit und Ärger, bevor Geld in Gutachten fließt.

Fazit

Thüringens ertragsschwache Böden sind für die Energiewende ein Kapital. Gut die Hälfte der Agrarfläche ist förderfähig, die Behörden kennen die Verfahren, und das Solarpaket I hält die Kulisse dauerhaft offen. Ob Ihr Flurstück dazugehört, klären wir kostenlos. Fläche unverbindlich melden oder auf unserer Thüringen-Seite weiterlesen.


Rechtslage Stand Juli 2026 (ThürPVFflVO, Solarpaket I/§ 37c EEG); die Kulissen-Prüfung für Ihr konkretes Flurstück übernehmen wir bei der Ersteinschätzung.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein (Stand 17. Juli 2026) und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Ob und wie die beschriebenen Regelungen und Zahlen auf Ihre Fläche zutreffen, ist eine Einzelfallfrage — lassen Sie Verträge vor der Unterschrift von Rechtsanwalt, Steuerberater oder Notar prüfen.

FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Wie viel Fläche in Thüringen gilt als benachteiligtes Gebiet?

Ein erheblicher Teil der Thüringer Landwirtschaftsfläche zählt zur Kulisse der benachteiligten Gebiete. Sie reicht von den Muschelkalk-Hängen an Saale und Unstrut bis in die Höhenlagen von Rhön, Thüringer Wald und Schiefergebirge. Die Chance, dass Ihre Fläche dazugehört, ist in Thüringen deshalb ungewöhnlich hoch.

Was hat die ThürPVFflVO geregelt?

Die Thüringer Photovoltaik-Freiflächenverordnung (seit Juli 2023) öffnete Acker- und Grünlandflächen in benachteiligten Gebieten für die EEG-Ausschreibungen. Damals war das noch eine Entscheidung des Landes über die Öffnungsklausel. Seit dem Solarpaket I (Mai 2024) ist die Kulisse bundesweit offen. Der frühe Schritt hat trotzdem etwas gebracht: Verwaltung und Gemeinden in Thüringen kennen die Verfahren seitdem.

Wie finde ich heraus, ob mein Flurstück in der Kulisse liegt?

Die Gebietskulisse ist in den Agrarförder- und Geoportalen des Freistaats hinterlegt. Landwirte erkennen die Zugehörigkeit auch an der Ausgleichszulage in ihren Flächenunterlagen. Am einfachsten melden Sie uns Gemarkung, Flur und Flurstück, dann prüfen wir die Kulisse kostenlos im Geoinformationssystem mit.

Heißt benachteiligtes Gebiet automatisch hohe Pacht?

Nein. Die Kulisse entscheidet, ob ein Projekt förderfähig ist. Der Preis hängt vor allem an Projektgröße und Netzanschluss. Üblich sind je nach Lage meist 2.500–4.000 € pro Hektar und Jahr, Ausnahmen bis etwa 5.000 € gibt es nur in besonderen Lagen. Vereinbart wird eine garantierte Mindestpacht plus Umsatzbeteiligung. Was die Kulisse Ihnen bringt: Ihre ertragsschwache Fläche kommt überhaupt erst für ein förderfähiges Projekt infrage.

Meine Fläche liegt nicht in der Kulisse — was nun?

Dann bleiben die 200-Meter-Streifen an Autobahnen und Bahnstrecken, Konversionsflächen und Projekte über die Bauleitplanung Ihrer Gemeinde. Oder die Fläche eignet sich für einen Batteriespeicher, der keine Förderkulisse braucht, nur Netznähe. Wir prüfen alle Wege gleichzeitig.

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