Agri-Photovoltaik

Agri-PV oder klassischer Solarpark? Der ehrliche Vergleich

Stand: 01. September 2026 · von Marcus Gallwitz

Kurz gesagt: Der klassische Solarpark bringt je Hektar deutlich mehr Pacht. Auf die Fläche passt mehr Leistung, und der Bau kostet weniger. Agri-PV bringt dafür weiterhin landwirtschaftlichen Ertrag. Wer die Voraussetzungen der GAPDZV einhält, behält zusätzlich einen Großteil der Direktzahlungen. Dafür zahlt der Betrieb mit höheren Baukosten, mit geringerer Belegungsdichte und mit einer Bewirtschaftungspflicht über die gesamte Laufzeit. Welcher Weg besser ist, entscheidet der Betrieb und nicht die Technik.

Die Gegenüberstellung

Klassischer SolarparkAgri-PV
Landwirtschaftliche Nutzungentfällt (außer Beweidung als Begleitnutzung)bleibt Hauptnutzung
Direktzahlungenentfallen für die Flächebleiben unter Voraussetzungen weitgehend erhalten
Pacht je Hektarhöherspürbar niedriger, je nach Bauform deutlich
Leistung je Hektarhochgeringer, weil größere Abstände und höhere Aufständerung
BaukostenStandardhöher, vor allem bei Kategorie I
DokumentationsaufwandgeringNutzungskonzept, Referenzertrag, laufende Erfassung
Akzeptanz vor Ortje nach Gemeindehäufig besser, weil Landwirtschaft sichtbar bleibt
Laufzeittypischerweise 30 Jahrevergleichbar
Rückbauvertraglich gesichert, Bürgschaftvertraglich gesichert, Bürgschaft

Die Spalten lassen sich nicht sinnvoll aufaddieren. Es sind zwei verschiedene Geschäfte. Der Solarpark ist eine reine Flächenverpachtung. Agri-PV verbindet die Verpachtung mit fortgesetzter Bewirtschaftung.

Warum Agri-PV je Hektar weniger Pacht bringt

Dahinter stehen Physik und Kalkulation. Bei Agri-PV muss zwischen und über den Modulen genug Platz und Licht für die Kultur bleiben. Das verlangt größere Reihenabstände. Damit passt weniger installierbare Leistung auf den Hektar. Die Tragwerke sind höher, die Fundamente aufwendiger. Kategorie I verlangt mindestens 2,10 m lichte Höhe. Das treibt die Baukosten je Kilowatt. Auch die Planung wird komplexer. Bauform und Bewirtschaftung müssen zueinander passen.

Weniger Leistung bei höheren Kosten heißt für den Betreiber: Er kann je Hektar weniger bieten.

Wie groß der Abstand ist, hat 2026 erstmals das Thünen-Institut für Agrartechnologie beziffert. Die Stromgestehungskosten von Agri-PV-Anlagen liegen danach je nach Bauform 4 bis 148 Prozent über denen einer konventionellen Freiflächenanlage. Der untere Wert gilt für einfache bodennahe Anlagen. Die Spitzenwerte gelten für hoch aufgeständerte Sonderkulturanlagen, etwa im Obstbau.

Genau diese Spanne ist für Sie die eigentliche Information: Es gibt nicht „die“ Agri-PV-Pacht. Eine bodennahe Anlage der Kategorie II auf Ackerland liegt näher am klassischen Park. Eine hoch aufgeständerte Obstbauanlage liegt weit darunter. Über die Größenordnung entscheidet die Bauform und nicht das Etikett Agri-PV.

Dazu gehört noch eine Einschränkung: Die Studie ist fachlich umstritten. Forschungszentrum Jülich und ZALF halten ihr entgegen, dass sie ausschließlich Stromgestehungskosten vergleicht. Zusatznutzen wie Flächenerhalt, Wasserhaushalt und regionale Wertschöpfung bewerte sie nicht. Außerdem beruhe sie auf Kostenannahmen von 2023. Agri-PV sei als jüngere Technologie noch weniger optimiert als Freiflächen-PV. An der Richtung ändert das nichts. Ein Betreiber kalkuliert seine Pacht aus den Kosten seiner Anlage, nicht aus deren gesellschaftlichem Zusatznutzen.

Die Größenordnungen beim klassischen Park stehen im Ratgeber Photovoltaik-Pacht pro Hektar. Belastbare Zahlen für die eigene Fläche gibt es in beiden Fällen erst später. Dafür müssen wir Lage, Netznähe, Bauform und Genehmigungslage prüfen.

Was auf der anderen Seite steht

Gegen die niedrigere Pacht rechnen zwei Posten.

Der landwirtschaftliche Ertrag bleibt ganz oder teilweise erhalten, je nach Kultur und Bauform. Manche Betriebe brauchen die Fläche für ihre Struktur: als Futterfläche, in der Fruchtfolge oder für eine Sonderkultur. Für sie ist das der eigentliche Punkt und kein Nebenaspekt.

Und die Direktzahlungen bleiben weitgehend erhalten. Nach § 12 Absatz 4 Nummer 6 in Verbindung mit Absatz 5 GAPDZV bleibt die Fläche förderfähig. Sie muss dafür mit üblichen landwirtschaftlichen Methoden, Maschinen und Geräten bearbeitbar bleiben. Und die Module dürfen die nutzbare Fläche nach DIN SPEC 91434 um höchstens 15 Prozent verkleinern. Als Faustregel bleiben also rund 85 Prozent. Details im Ratgeber zur Flächenprämie bei Agri-PV.

Dazu kommt die Akzeptanz vor Ort. Sie lässt sich nicht beziffern und entscheidet trotzdem Projekte. Wo ein klassischer Park auf Widerstand stößt, hilft die sichtbar erhaltene Bewirtschaftung. Oft macht erst sie ein Verfahren möglich.

Der Punkt, der am häufigsten übersehen wird

Agri-PV ist eine Bewirtschaftungsentscheidung über Jahrzehnte, keine Bauentscheidung. Die Fläche gilt nur dann als Agri-PV, wenn der Betrieb sie tatsächlich weiter bewirtschaftet. Dazu braucht es ein Nutzungskonzept, einen Referenzertrag und eine laufende Dokumentation.

Daraus folgt eine unbequeme, aber nützliche Prüffrage:

Würden Sie diese Fläche in 15 Jahren noch bewirtschaften, wenn es die Solaranlage nicht gäbe?

Wer hier zögert, sollte den klassischen Solarpark ernsthaft prüfen. Er ist einfacher und je Hektar meist einträglicher. Er verlangt auch keine Zusage über die Bewirtschaftung, die später schwer zu halten ist. Das spricht nicht gegen Agri-PV, sondern gegen Agri-PV am falschen Ort.

Für welchen Betrieb was passt

Eher Agri-PV, wenn:

  • Sonderkulturen angebaut werden, die vom Schutz durch Module profitieren (Obst, Beeren, Wein)
  • die Fläche betrieblich gebraucht wird und nicht aus der Produktion genommen werden kann
  • die Gemeinde einem klassischen Park zurückhaltend gegenübersteht
  • der Betrieb aktiv weitergeführt wird und die Dokumentation leisten kann

Eher klassischer Solarpark, wenn:

  • die Fläche ertragsschwach ist oder ohnehin am Rand der Bewirtschaftung liegt
  • die Betriebsnachfolge offen ist
  • große Maschinenketten die Bauformen einschränken
  • der Ertrag aus der Pacht der ausschlaggebende Punkt ist

Häufig ist es auch beides. Auf größeren Betrieben wird der eine Flächenteil ein klassischer Park. Der betrieblich wichtigere Teil wird Agri-PV. Das ist eine Frage des Zuschnitts.

So kommen Sie zu einer belastbaren Zahl

Wir stellen beide Varianten für Ihre konkrete Fläche gegenüber. Sie bekommen eine Pachtgrößenordnung und eine Einschätzung der Genehmigungslage. Wir sagen Ihnen auch, welche Bauform zu Ihrer Kultur und Ihrer Maschinentechnik passt. Eine Vorgabe, welche Variante es werden soll, machen wir nicht. Die Entscheidung trifft der Betrieb.

Anschrift oder Flurstück, Größe und Kultur genügen. Rückmeldung in der Regel innerhalb von 48 Stunden (werktags). Die Prüfung ist kostenlos und unverbindlich.

Quellen

  • § 12 GAPDZV — Förderfähigkeit von Flächen mit Agri-PV-Anlagen
  • DIN SPEC 91434:2021-05, Agri-Photovoltaik-Anlagen — Anforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung; Übersicht bei der Clearingstelle EEG|KWKG
  • Jonas Böhm u. a., Thünen-Institut für Agrartechnologie: Preserving agricultural land with agrivoltaic — But at what cost?, in: Land Use Policy, Februar 2026 — Stromgestehungskosten 4 bis 148 Prozent über konventioneller Freiflächen-PV; Zusammenfassung bei pv magazine
  • Gegenposition von Forschungszentrum Jülich und ZALF zur Thünen-Untersuchung, zusammengefasst bei top agrar

Stand: September 2026. Pachtangaben sind Orientierungswerte aus unserer eigenen Markt- und Vertragspraxis und hängen vom einzelnen Standort und der Bauform ab; förderrechtliche Feststellungen trifft die zuständige Behörde.

Hinweis: Dieser Beitrag informiert allgemein (Stand 01. September 2026) und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Ob und wie die beschriebenen Regelungen und Zahlen auf Ihre Fläche zutreffen, ist eine Einzelfallfrage — lassen Sie Verträge vor der Unterschrift von Rechtsanwalt, Steuerberater oder Notar prüfen.

FAQ

Häufige Fragen zum Thema

Was bringt mehr: Agri-PV oder ein klassischer Solarpark?

Je Hektar bringt der klassische Solarpark in der Regel die höhere Pacht, weil er dichter belegt werden kann und einfacher zu bauen ist. Agri-PV bringt dafür weiterhin landwirtschaftlichen Ertrag und, wenn die Voraussetzungen der GAPDZV eingehalten werden, einen Großteil der Direktzahlungen. Was unter dem Strich besser ist, hängt vom Betrieb ab. Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf nicht.

Warum ist die Pacht bei Agri-PV niedriger?

Weil weniger Leistung auf die Fläche passt und die Anlage teurer ist. Größere Reihenabstände, höhere Tragwerke und aufwendigere Fundamente senken die installierbare Leistung je Hektar und erhöhen gleichzeitig die Baukosten. Wie groß der Abstand ist, hat das Thünen-Institut 2026 beziffert: Die Stromgestehungskosten liegen je nach Bauform 4 bis 148 Prozent über denen einer konventionellen Freiflächenanlage. Was die Anlage mehr kostet und weniger erzeugt, kann der Betreiber nicht als Pacht ausschütten.

Für welche Betriebe lohnt sich Agri-PV besonders?

Für Betriebe, die die Fläche nicht aus der Produktion geben wollen oder können, etwa weil sie für die Betriebsstruktur gebraucht wird, und für Sonderkulturen, die vom Schutz durch die Module profitieren. Außerdem in Gemeinden, die einem klassischen Solarpark skeptisch gegenüberstehen: Die sichtbar erhaltene Landwirtschaft erleichtert das Verfahren häufig.

Wann ist der klassische Solarpark der ehrlichere Weg?

Wenn nach dem Bau ohnehin nicht mehr ernsthaft bewirtschaftet würde. Agri-PV ist eine Bewirtschaftungsentscheidung über Jahrzehnte, mit Nutzungskonzept, Ertragsnachweis und laufender Dokumentation. Wer das nicht will oder nicht leisten kann, fährt mit dem klassischen Park einfacher und je Hektar meist besser.

Ist Agri-PV leichter zu genehmigen?

Nicht automatisch, auch Agri-PV braucht eine Genehmigungsgrundlage, in der Regel über die Bauleitplanung der Gemeinde. In der Praxis ist die Akzeptanz aber häufig höher, weil die landwirtschaftliche Nutzung sichtbar erhalten bleibt. Das kann im Verfahren den Unterschied machen, ersetzt es aber nicht.

Kann man beides auf einer Fläche kombinieren?

Auf derselben Teilfläche nicht, auf einem Betrieb sehr wohl. In der Praxis kommt es vor, dass ein Teil der Flächen als klassischer Park entwickelt wird und ein anderer, betrieblich wichtigerer Teil als Agri-PV. Das ist eine Frage des Zuschnitts und wird bei der Ersteinschätzung mitgedacht.

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